Arch Enemy, Trivium & World Downfall - Osnabrück, Rosenhof (Terrorverlag)
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Schon seit Wochen habe ich mich auf dieses Konzert gefreut, den irgendwie war es mir seit der “Wages of Sin”-Platte nie möglich gewesen, die Schweden mit der deutschen Sängerin live zu erleben. Den letzten geplanten Gig in Osna hatte man ja leider gecancelt. Etwas schade war allerdings, dass DARK TRANQUILLITY im Vorfeld von der Tour abgesprungen sind, um wohl eine eigene Headliner-Tour in Angriff zu nehmen. Ein gleichwertiger Ersatz wurde leider nicht aufgeboten. Trotz aller Vorfreude war ich dennoch ein wenig misstrauisch, als ich mich auf den Weg nach Niedersachsen machte. Denn wenige Tage vor dem Termin war das Konzert vom Hyde Park in den kleineren Rosenhof verlegt worden. Dass mangelnde Kartenverkäufe daran Schuld sein sollten, konnte ich angesichts voller Hallen (z.B. in Köln) nur schwer glauben.

Doch tatsächlich… als der kurzfristig aufgesprungene Support WORLD DOWNFALL schon kurz nach Einlass los legte, waren vielleicht gerade mal 100 Nasen in dem ehemaligen Kino. Doch die Kölner ließen sich davon nicht beirren und legten richtig ordentlich los. Stilistisch bewegt sich das Quartett im Bereich CARCASS, AT THE GATES und DEW-SCENTED und dementsprechend gehen Tracks wie „Reality ist W.Y.L.“ oder der Titeltrack ihrer 2003er Eigenproduktion „Last Step before the Fall“ mächtig auf die 12. Mit ihrem engagierten Auftreten und dem packenden Songs konnte man auch schon die ein oder andere Matte zum fliegen bringen. Wirklich nicht übel, was die drei Kurzhaarigen und der Filzmann dort boten und ich wäre nicht unerfreut, wenn sich eine evtl. neue Scheibe auf meinem Rezi-Schreibtisch wieder finden würde.

Nun war es Zeit für das Wunderkind. TRIVIUM-Chef Matt Heafy zählt nämlich gerade mal 19 Lenze, hat mit „Ascendancy2“ ein wirklich mehr als starkes Album abgeliefert und obendrein zuletzt eines der 4 Teams des Roadrunner United-Projekts geleitet. Auch in Germany konnte sich der junge Herr schon einige Fans erspielen, und so wunderte es nicht, dass während der Umbaupause erste lautstarke „Heafy, Heafy“-Rufe ertönten. Und die Amis legten auch gleich los wie die Hölle. Als ob sie schon seit 20 Jahren das Rockstar-Leben feierten, posten die Viere, was ging, und knallten den mittlerweile gut 200 Leutchens eine Metal-Granate nach der nächsten vor den Latz. „The Deceived“, „Ascendancy“, „Like Light to the Flies“, „Pull harder on the Strings of your Martyr“ und natürlich der Übersong “A Gunshot to the Head of Trepidation” hießen die “Mischsongs” aus mordernem Thrash und klassischem Heavy Metal. Fast unglaublich, wie cool und routiniert Fronter Heafy die Fans in den Circle Pit dirigierte. Was soll mit dem erst in 10 Jahren werden? Robbie Williams des Metals? Apropos, wichtiger Bestandteil der TRIVIUM-Songs sind natürlich die cleanen Refrains. Doch was auf Platte richtig rockt, leidet dann doch etwas unter dem Live-Faktor. So saß nicht jeder Ton perfekt, was aber die Fans nicht davon abhielt, die Ohrwurm-Refrains lauthals mitzusingen. Auch die restliche Band rockte, was ging. Gitarrist Corey konnte durch einige coole Soli und fette Growls überzeugen, und Basser Paolo poste wie ein alter Metal-Veteran, wobei der Anblick eines moshenden Kurzhaarigen in einer DESTRUCTION-Kutte einfach nicht einer gewissen Komik entbehrt. So hatten Fanschar und Band eine Menge Spaß, und Matt verließ die Bühne mit dem Versprechen im März wieder nach Deutschland auf Tour zu kommen.

Nun wurde alles für den Hauptact vorbereitet. Das eindrucksvolle Drumkit von Daniel Erlandson (Bruder von CRADLE-Drummer Adrian) und die Deko wurden enthüllt, und die Light-Show in Stellung gebracht. Und schon ging’s auch los. Schon beim Intro jubelten die gut 350 Fans (für so eine Band eigentlich immer noch unverständlich wenig) frenetisch und vom ersten Riff des Openers „Nemesis“ an wurde in den ersten Reihen abgemosht ohne Ende. Dass Gitarren-Gott Michael Amott, Basser Sharlee D’Angelo und der schon erwähnte Daniel wahre Meister an ihren Instrumenten sind, ist ja schon seit Jahren allseits bekannt, doch ich selbst war besonders gespannt, wie sich die kleine deutsche Front-Röhre Angela Gussow und der „Frischling“ Fredrik an der zweiten Gitarre schlagen würden. Und von Beginn zeigt die junge blonde Dame deutlich, wer hier die Hosen an hat. Es ist ja schon kaum zu glauben, was die gute Frau auf Platte rumgrowlt, doch live ist die Gute einfach krass… Seien es neue Brecher wie „Taking back my Soul“, Hits wie „Dead Eyes see no Future“ oder Klassiker, wie die grandiosen „Diva Satanica“ und „Bury me an Angel“. Angela shoutet und posed, dass einem fast Angst und Bange werden könnte. Besonders durch und durch ging mir mein Lieblingssong „My Apocalypse“ vom aktuellen Album „Doomsday Machine“. Auch live oder vielleicht sogar gerade im (übrigens recht guten) Livesound drücken sich diese Riffs richtig schön erbarmungslos in die Magengrube. Apropos Riffs… ex-CARCASS-Klampfer Michael Amott präsentierte an diesem Abend wieder Gitarren-Riffs vom feinsten. Ob fette Moshparts oder filigrane Soli… dieser Typ wird völlig zu Recht zu den besten Metal-Gitarristen überhaupt gezählt. Doch auch Aushilfs-Mucker Fredrik, den ich zuletzt noch mit TIAMAT gesehen hatte, brachte eine formidable Leistung. Da er erst seine siebte Show mit der Band zockte, agierte er nicht so aktiv auf der Bühne wie seine Mitstreiter, die andauernd über die Bühne wuselten und dabei ordentlich die Mähnen schwangen. Dafür zirkelte der Lockenkopf seine Parts aber so auf den Punkt, als wäre er schon seit Jahren Teil der Band. Unverkennbar ein Profi. Neben meinen schon erwähnten persönlichen Highlights funktionierten bei den gut abgehenden Fans natürlich die neueren Kracher, wie das eindrucksvolle „I am Legend“ (bei dem besonders Daniel brillierte) oder der „Wages of Sin“-Hit „Heart of Darkness“ am besten. Nur bei coolen alten Songs der Marke „Burning Angel“ oder „Fields of Desolation“ schauten einige jüngere Anhänger doch etwas fragend aus der Wäsche (tja, es gibt ARCH ENEMY schon seit gut 10 Jahren Leute!), um dafür beim Übersong „We will rise“ vollends abzudrehen.

Eine beeindruckende Frontfrau, zwei Top-Gitarristen, solide Bassläufe und ein Killer-Schlagwerker, die zusammen einen ganzen Haufen Knaller-Songs auf Lager haben. Oder kurz: ARCH ENEMY! Ich würde mir wünschen, diese Band bald noch mal in angemessener Umgebung erleben zu können. Doch bei einem (in Anbetracht des Wegfalls von DARK TRANQUILLITY) amtlichen Ticketpreis von 22 und Merch-Preisen von 25 Euro (!!!) für ein T-Shirt (geht’s noch??) ist es mehr als verständlich, dass es sich die Fans mehrmals überlegen, zu einem Konzert zu gehen.

Taken from: http://www.musik.terrorverlag.de

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