Japanische Kampfhörspiele + Garstig + World Downfall, Bla Bonn (Rock Hard)
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Rock Hard
15.01.2005 Japanische Kampfhörspiele + Garstig + World Downfall
Namenlos, Bonn

Eins vorweg: Hätte mich Kollege Dümpelmann nicht ausdrücklich auf dieses erlesene Undergroundkonzert aufmerksam gemacht, wäre ich aller Wahrscheinlichkeit nach (obwohl die Kneipe quasi direkt bei mir in Bonn vor der Haustür liegt) an diesem Samstagabend dort gar nicht erst vorstellig geworden.
Vor Ort musste man dann erstaunt feststellen, dass das ansonsten eher gemütliche 'Namenlos' (eher bekannt für beschauliche Studentenexzesse als für Grindcore-Konzerte) an diesem Abend nicht nur proppenvoll, sondern auch nahezu ausverkauft sein sollte. Und so drängelten sich locker an die 200 Nasen zwischen Eingang, Theke und Bühne -Schwitzhüttenalarm vorprogrammiert! Ob bei einem Konzert dieser Größenordnung an der Abendkasse allerdings tatsächlich neun Euro fällig werden müssen, bleibt der freien Interpretation eines jeden Besuchers selbst überlassen - die 'zahlreichen' Besucher gaben den Veranstaltern an diesem Abend jedoch wohl Recht.
Schon bei GARSTIG, der ersten Truppe an diesem Abend, ging das äußerst gemischte Publikum (bestehend aus Metallern, Punks, Hardcore Fans und Normalo-Publikum bzw. Rock-Anhängern) ganz gut mit. Und obschon GARSTIG im Verlauf ihres Sets nicht ganz die brutale Klasse der beiden Nachfolge-Combos erreichen sollten, musste man dieser Band mit ihrem selbstbetitelten 'Tysk Arkaisk Dreck Metal'-Stil (stilistisch irgendwo zwischen Grindcore und Death Metal, gepaart mit vereinzelten Thrash-Versatzstücken) schon alleine aufgrund der Tatsache, dass die Jungs erst vor ein paar Monaten ihren ersten Gig zusammen absolviert hatten, eine gelungene Vorstellung attestieren.
Nach einer kurzen Pause schickten sich die Kölner WORLD DOWNFALL an, das mittlerweile brechend voll gewordene 'Namenlos' in eine Mosh-Hölle erster Kajüte zu verwandeln. Meine Fresse! Brüllwürfel Lohm wirbelte während des Sets seine bis zum Arsch reichende Dreadlock-Matte in bester Old-School-Windmühlen-Manier, während der Rest der Band sehr tight eine brutale Mischung aus Crust, Grind und Death Metal unter die Anwesenden ballerte. Derweil stiegen die Temperaturen nicht nur direkt vor der Bühne bis ins Tropische; auch der Weg zur Pipilette, die leider direkt links neben der Bühne zu finden ist, wurde zu einem wahren Kampf. Aber alle Achtung! Der Stimmungspegel stieg im Laufe des Sets, und rief obendrein die ersten Stagediver auf den Plan, die etwas ungläubig von den Betreibern des 'Namenlos' hinterm Tresen beobachtet wurden. Aber der Getränkeumsatz dürfte an diesem Abend locker Karnevals-Saison-Sphären erreicht haben und somit die Betreiber mehr als milde gestimmt haben... JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE setzten schließlich an diesem Abend dem Ganzen die endgültige Metzelrichtfest-Krone auf. Die wahnwitzige Zwei-Sänger-Grunz-Kreisch-Fraktion leistete wahre Stimmbandstrapazierakrobatik -und der Rest der Band? Extrem tight, extrem energetisch, und mit ihrer Mischung aus Death-, Grind-, Thrash- und sogar Jazzversatzstücken stellten JaKa an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis, wie man dem ansonsten eher als stumpf und brutal verschrienen Grindcore-Genre neue Seiten abgewinnen kann. Dies schlug sich besonders beim Publikum nieder. Denn nicht nur die moshpiterfahrenen Hardcore-Fans und Punks gaben alles; auch die anwesenden Metalfans direkt vor der kleinen Bühne klinkten freudig um die Wette aus. Dass dennoch alles glimpflich und friedfertig ausging, sprach eindeutig für die hervorragende, wenn auch brutzelnd heiße Stimmung an diesem Abend.
Was für ein geiles Konzert!
Marcel Thenée

This review was taken from:http://www.rockhard.de

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