Dem Underground verbunden (Metal Mirror / Febr. 2007 / German / NEW)
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Sie grinden, prügeln und sind großzügig mit ihrer Musik. World Downfalls Vokiller Lohm berichtet im Interview mit Metal Mirror über die Aufnahmen ihres neuen Albums „Beyond Salvation“ und wie es zu der Zusammenarbeit mit Angela Gossow kam.

von Dorian Gorr

Lohm, ihr habt seit Ende November euer neues Full-Length-Werk „Beyond Salvation“ draußen. Was kannst du über den Entstehungsprozess erzählen?

Es zog sich alles recht lange hin. Wir haben Anfang 2005 mit den Schlagzeugaufnahmen begonnen, nahmen einen Monat später die Gitarren auf und im August packte ich meine Gesangslinien dazu. Das Ergebnis hat sich zwar gelohnt, aber ganz so lange hätten wir eigentlich nicht dafür gebraucht.

Ein besonderes Gimmick der Scheibe ist zweifellos die Zusammenarbeit mit Angela Gossow auf Track 11, „Your Shadows Moves Faster Than Mine“. Wie kam es dazu?

Wir kennen Angela noch von früher. Sie kommt ja hier aus Köln beziehungsweise Bergisch-Gladbach und ich habe sie damals kennen gelernt, als sie noch bei Asmodina spielte. Als sie dann vor zwei Jahren wieder hier war, trafen wir uns, gingen gemeinsam auf ein Konzert und ich fragte sie, ob sie nicht Bock hätte, Guest-Vocals für unsere neue Scheibe zu machen. Sie stimmte sofort zu.

„Beyond Salvation“ ist, wie auch schon der Vorgänger komplett kostenlos von eurer Webseite downloadbar. Wie kommt es, dass ihr derartig großzügig mit eurer Musik umgeht?

Das ist einfach gute Werbung. Wenn ich mir vorstelle, dass das Porto nach Amerika alleine so viel kostet, wie die gesamte CD, dann wären die Amis ja schön blöd, wenn sie die CD bestellen würden. Außerdem ist es auch als Zeichen gegen diesen ganzen Industrie-Wahn in der Musik zu sehen, die das Downloaden von Musik verteufeln. Ich glaube nicht, dass wir dadurch großartige Verluste einfahren, wenn wir die Musik jedem zugänglich machen.

Ist das auch als ein Wegweiser für andere Underground-Bands zu sehen?

Auf der einen Seite schon. Auf der anderen Seite ist es so, dass sich viele Underground-Bands so verdammt wichtig nehmen und deswegen ihre Platten wie die großen Bands verkaufen wollen. Wer eine Band unterstützen möchte, der kauft sich ein T-Shirt oder geht auf die Konzerte.

Dennoch wird die Platte auch über Revenge Productions, ein mir unbekannter Name, vertrieben. Wer steht hinter Revenge Productions und was hält dieser jemand von eurem kostenlosen Download-Angebot?

Revenge Productions ist das kleine Label von Dani, einem alten Kumpel von mir. Der hat uns auf freundschaftlicher Basis angeboten, den Vertrieb für uns zu machen. Der kriegt einen Packen CDs und dadurch kommen die auch ins Ausland, aber das alles ist nicht exklusiv und nicht so offiziell, wie es klingt. Außerdem haben wir die CD in Eigenregie aufgenommen, weswegen wir selbst bestimmen können, wie wir mit dem Material umgehen.

Worum geht es in den Lyrics? Wer ist für die Lyrics verantwortlich?

Das Schreiben von Texten teilen wir uns auf. Ich schreibe viele Lyrics, der Sven (Schlagzeuger - Anm.d.A.) schreibt auch einige und für das neue Album hat sogar unser mittlerweile alter Bassist einige beigesteuert. Die Themenwahl ist aber trotzdem recht ähnlich. Wir gehen alle mit offenen Augen durch die Welt und uns stören die gleichen Dinge, die wir in unseren Lyrics dann auch ansprechen.

Kannst du ein konkretes Lyric-Beispiel nennen?

Wenn ich auf einen konkreten Song eingehen soll, dann wähle ich „Anti-Scene“. Darin geht es um dieses ganze Szene-Gehabe und das bestimmte Leute einem vorschreiben wollen, wie man sich in bestimmten Szenen zu verhalten hat. Wir sind der Meinung, dass man seinen eigenen Idealen folgen und eine Individualität entwickeln sollte.

Gibt es denn eine bestimmte Szene, der du dich zugehörig fühlst?

Nein. Ich komme grundsätzlich aus dem Metal, war aber schon immer stark von Hardcore, Crust und Punk beeinflusst und habe mich in diesen Kreisen bewegt. Es ist in jeder Szene so, dass es einige nette Leute und einige Schwachköpfe gibt, weswegen mir da eine gewisse Verbundenheit zu einer allgemeinen Szene fehlt. Am ehesten fühle ich mich generell dem Underground verbunden.

Kommen wir zurück zum neuen Material. Konntet ihr die Songs schon auf Live-Tauglichkeit testen?

Ja. Allgemein ist ärgerlich, dass wir einige Gigs absagen mussten, beziehungsweise andere gar nicht annehmen konnten, weil sowohl ich, als auch Kevin (Gitarrist - Anm.d.A.) gerade unser Studium abgeschlossen haben und jetzt in neue Jobs eingeführt werden. Das neue Material kam aber bisher gut an. Wir hatten am 25. November eine Release-Party und auch jetzt kürzlichst beim Gig in Neuss (Battles In The Norf - Anm.d.A.) kamen die Sachen gut an. Allerdings sind die Songs ja auch nunmehr ein ganzes Jahr alt und wurden während des gesamten letzten Jahres immer mal wieder in die Setlisten eingestreut.

Wenn ihr „Your Shadow Moves Faster Than Mine“ spielt, wer übernimmt dann Angelas Gesangspart?

Da singt der Kevin mit. Der Song stand eh schon weit bevor Angela ihren Part dazu beigesteuert hatte.

Ein anderes lustiges Thema findet sich auf eurer Webseite, nämlich ein Ausschnitt eines erbosten Leserbriefes einer Dorf-Bewohnerin, die sich über ein Metal-Festival bei einer Zeitung beschwert. In dem Brief fällt auch euer Name. Wie habt ihr davon erfahren und darauf reagiert?

Das bezieht sich auf ein Festival in Rickenbach in der Schweiz. Unser Bassist hatte den Leserbrief auf der Homepage des Festivals gefunden. Wir haben uns darüber königlich amüsiert. Das war ein superfriedliches Festival weit oben in den Bergen, sehr idyllisch. Aber da sieht man mal, wie sowas ankommt. Die Leute befassen sich nicht mit Inhalten, sondern lesen nur den Bandnamen und beschweren sich. Ich wüsste nicht, was bei uns gewaltverherrlichend sein sollte.

Was bringt die Zukunft für World Downfall. Habt ihr bereits neue Songs geschrieben, die demnächst auf Platte realisiert werden sollen?

Das wird jetzt noch dauern. Wir stehen alle am Anfang von neuen Jobs oder am Ende des Studiums und die Band ist ein Hobby, das da leider hinten anstehen muss. Wir hoffen, ab dem Sommer wieder vermehrt Gigs spielen zu können. Einige neue Songs sind zwar auch schon geschrieben, aber die sind noch nicht richtig ausgereift, sondern befinden sich noch in den Anfängen und die Texte sind noch nicht fertig.

Wird es die nächste Platte denn auch wieder als kostenlosen Download geben oder hofft ihr bis dahin bei einem Label unterzukommen?

Am liebsten wäre uns beides, dass wir ein Label finden und wir dennoch unsere Musik kostenlos unters Volk bringen können (lacht - Anm.d.A.). Über das Thema haben wir auch am Wochenende mit einigen Leuten gesprochen und ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich ein Label überhaupt haben will. So ein Label geht immer von der Seite ran, dass die was mit der Musik verdienen wollen und ehrlich gesagt, wird unsere Musik nur von einer sehr kleinen Sparte Menschen gehört. Und so haben wir alles in unserer Hand. Das gefällt mir sehr gut.

Wird es denn vielleicht mal eine Support-Tour geben?

Wir sind Ende 2005 schon kurz mit Arch Enemy und Trivium getourt, als kurzfristiger Ersatz für die ausgefallenen Dark Tranquillity. Das war eine nette Erfahrung und die bisher größten Club-Shows, die wir hatten. Besonders in Köln war es ganz nett, weil auch viele Leute da waren. Aber ich weiß nicht, ob ich sowas dauerhaft brauche mit Manager, Stress und exaktem Zeitplan. Mir gefallen die Underground-Konzerte auf den kleinen Bühnen sehr gut und das möchte ich nicht missen. Bei den großen Konzerten gibt es meistens Absperrungen, die diese intime Atmosphäre rauben, die man hat, wenn man quasi auf Augenhöhe mit dem Publikum spielt.

http://www.metal-mirror.de

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