ESSEN DEATH FEAST V w/ Dying Fetus (USA), WORLD DOWNFALL, Epicedium, Low Incision & more (Rock Hard (Online) / German / NEW)
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Am Samstag, den 25. August, tobte nicht nur die Love Parade in Essen. Nein - im Zentrum der Stadt trotzte man der technischen Tanzmusik: Das Turock lud sechs Extrem-Metal-Bands zum todesmetallischen Massaker, und so gesehen stand das Feast als eine passable Alternative zum Up From The Ground für den Mann mit dem kleineren Geldbeutel.

DEADLY PALE aus Dortmund mühen sich schon gegen 19 Uhr, mit ihrem handfesten Death Metal ordentlich vorzuheizen, was trotz des relativ monotonen, aber durchaus anspruchsvollen Soundgewandes als gelungen zu betrachten ist. Klar, hier geht es um Underground-Support und da mischt der bereits gut gefüllte Club gleich richtig mit.

PROVOCATION schlagen einen ähnlichen Ton in Richtung At The Gates oder Necrophagist an, zünden aber leider nicht in selbiger Manier. Sollte sich das noch junge Vierergespann künftig allerdings in der Lage zeigen, seine Musik mit ein paar fiesen Breaks und eingängigeren Riffs aufzupeppen, sind die Jungs auf dem richtigen Weg.

LOW INCISION sehen zwar aus wie Limp Bizkit, das Ganze läuft dann allerdings doch auf hasserfüllten Grind- bzw. Hardcore in wirrer Mischung mit Crust plus Gegrunze hinaus. Das eher anstrengende und dissonante Geschrammel stößt unter den Kurzbehaarten auf erfreuten Pogo, und die unglaubliche Ausgelassenheit der wilden Crowd und Spielfreude der Band wirken dann doch unerwartet mitreißend. Slayers 'Raining Blood'-Riff beweist außerdem, dass die metallischen Wurzeln wahrscheinlich tiefer liegen, als vermutet.

Die Frankfurter EPICEDIUM spielen lupenreinen Death Metal, der auf grobschlächtige und doch anspruchsvolle Weise Nile und Six Feet Under mit einem Schuss Terrorizer vereint. In sämtlichen Magazinen konnte man schon positive Rezensionen einsacken, und schließlich ist man nicht umsonst seit gut 10 Jahren dabei. Frontmann Sascha macht unbedingt Mr. Barnes Konkurrenz, und die zwei an der Gitarre vermitteln das nötige Live-Flair mit pathetisch gespielten Riffs, wobei Thomas' unglaubliche Fingerfertigkeit mit Seltenheitswert der besondere Hingucker ist.

WORLD DOWNFALL konnten durch reguläre Bühnenpräsenz (u. a. mit Arch Enemy und Krisiun) bereits einen höheren Bekanntheitsgrad erringen, und die gebündelte Energie der Band gibt ihrem Erfolg recht. Politische Stellungnahme über den Song 'Disease' gegen den faschistischen Bodensatz der Szene und Mitgröl-Cover wie Turbonegros 'I Got Erection' kommen stimmungsmäßig an, zu großartigen Nummern wie 'Be Humane In Wartime As Well' oder dem heute der Love Parade gewidmeten 'Fuck You' kann niemand mehr still halten.

Aber nun entern endlich DYING FETUS die Bühne. Zur Band gehört zwar kein Mitglied des originalen Line-ups mehr (man hat übrigens schon wieder einen neuen, brillanten Schlagzeuger im Gepäck); das kratzt allerdings auch niemanden, schließlich fetzen die Jungs engagiert und mit viel Herzblut die räudigen Böller 'Homicidal Retribution', 'Fate Of The Condemned', 'One Shot One Kill' oder auch 'Praise The Lord' technisch einwandfrei wie die Helden der ersten Stunde und spielen sich sprichwörtlich den Arsch ab. Wunderbar sind gerade live die gekonnten Wechsel zwischen tiefen und bösen Kreisch-Growls sowie den thrashigen und schleppenden, sehr schweren Parts, zu denen man die Rübe einfach nicht still halten kann. Bombe! Zur After-Party feiert man noch lange mit den Bands zu Musik aus der Konserve, und man muss doch sagen: tolle Mischung zwischen Nachwuchsbands und alten Hasen des Genres, hoffentlich nächstes Jahr wieder in diesem Rahmen.

Autor: Marianne Frenschkowski


Taken from http://www.rockhard.de

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